Sehr deutlich wird allerdings auch, dass Ebay weiterhin zu schnell zu viel will und sich nun mit den üblichen Tricks behelfen muss:
Von den 2,9 Mio. Euro Umsatz im Oktober stammten alleine 721.000 Euro (25%) aus Wii-Aktionen. Gleich viermal kamen die Wii-Bestseller im Oktober zum Einsatz (am 4.,8., 15. und 22.10.), am 15. Oktober mit einem Rekordumsatz von 389.000 Euro.
Auch der Preispunkt fiel auf einen neuen Tiefstwert von 36 Euro (im Juni lag er bei 55 Euro), getriggert vor allem durch eine große Fruit of the Loom-Aktion:
Am 23.10. wurden 6 Fruit of the Loom Shirts für 9,99 Euro insgesamt 23.160 mal verkauft - auch das ein neuer Bestellrekord.
Erst im August hat Ebay die Wow! Aktionen von einer auf zwei Aktionen pro Tag erhöht, allerdings ohne den erwarteten Umsatzsprung.
Und obwohl das Team allem Anschein nach noch Schwierigkeiten hat, jeden Monat 30 Produktslots mit attraktiven Bestsellern zu füllen, ist die Taktung jetzt pünktlich zum Weihnachtsgeschäft auf 4 Wow! Aktionen pro Tag erhöht worden (s. Pressemeldung)
Damit müssen nun, nur neun Monate nach dem Start, Monat für Monat 120 Topseller gefunden werden, was sich weiter auf die Auswahlqualität der Einzelprodukte auswirken dürfte.
Wie sich die Wow! Aktionen entwickeln, können Live Shopping Interessierte auch weiterhin bei Wortfilter live mitverfolgen
Zum Vortrag gibt es auch ein Video, in dem er die beiden Aspekte vertieft: "Machtverlagerung durch Resonanzverlagerung" und "Netzwerkkompetenz ist Einstellungssache":
Wer das Internet als Lebensraum sieht, für den kommen Twitter und Social Networks dem Ideal schon sehr nahe, wer das Internet hingegen nur als Werkzeug sieht, der kann mit Twitter & Co. kaum etwas anfangen.
Sein Fazit: "Wir stehen erst am Anfang einer gigantischen Explosion"
In den USA ist kürzlich ein interessantes Buch zum Thema erschienen: "Wired for Thought", das Internet als intelligentes, "neuronales Netz", das im Prinzip das weiterführt, was Michael Maier in "Die ersten Tage der Zukunft" ausgeführt hat.
Fressnapf, mit über einer Milliarde Euro Umsatz Marktführer im Tierfachhandel, verkauft seit heute auch wieder online. Es handelt sich um einen mit doppelter Spannung erwarteten Neustart dieses Herbstes.
Denn ähnlich wie Media Markt & Co. ist Fressnapf ein Zusammenschluss von eigenständigen Franchise- lokalen Händlern, die sich durch das Online-Geschäft ungern ihre Ladenumsätze streitig machen lassen; zum anderen stellt sich, wie wir gesehen haben, im Tierfachhandel mit seinen ganz speziellen Anforderungen in besonderem Maße die Systemfrage.
Während Online-Marktführer Zooplus wie viele andere Tierfachhandlungen auf eine eigenentwickelte Shoplösung setzt, geht Fressnapf mit einer Open Source Lösung von Oxid an den Start:
Das Handelsblatt hat kürzlich in einem Porträt über Fressnapf-Gründer Torsten Toeller alle wesentlichen Informationen zusammengetragen:
"Von Krefeld aus lenkt er heute Europas größte Tierfachmarktkette mit
1000 Märkten, über einer Milliarde Euro Umsatz und einem aktuellen
Wachstum von vier Prozent. Insgesamt setzt die Branche für Tierbedarf
in Deutschland 3,5 Milliarden Euro um.
Genauso schnell wie er Konzepte entwickelt, verwirft er sie aber auch,
wenn die Zeit noch nicht reif ist. Dazu zählte auch der Internet-Shop.
„Wir haben ein paar Millionen Euro im Online-Markt versenkt, weil wir
damals einfach zu früh waren“, sagt Toeller, der das
E-Commerce-Abenteuer schon 2002 beendete. Jetzt soll der zweite Versuch
erfolgen. „Wir steigen wieder ein“, sagt Toeller.
Der neue
Internetauftritt soll im November online gehen. Der Markt für den
Internet- und Katalogversand von Tierzubehör sei in Deutschland auf
über 100 Millionen Euro gewachsen. Daher ist die Zeit für das Comeback
reif.
Und für eine neue Idee: Im Frühjahr folgt ein Portal im Internet,
über das Dienstleistungen wie Reisen und Versicherungen für Tierhalter
angeboten werden. Dem eigenen Selbstverständnis entsprechend will
Toeller auch mit Fressnapf.de Marktführer werden."
Ganz offensichtlich ist man vom Erfolg von Facebook Connect inspiriert und will mit "PayPal ID" Konsumenten eine übergreifende Möglichkeit bieten, sich auf E-Commerce-Sites einzuloggen:
"During his talk, Mark began discussing eBay’s goal to become the
“consumer identity provider” of the web. Under the project, which for
now seems to be called “PayPal ID,” users can use their PayPal login to
identify themselves securely on e-commerce websites and web apps across
the spectrum."
Im Gegensatz zu Facebook Connect wäre "PayPal ID" nicht mit Fakeprofilen belastet, da PayPal-Konten an Bankkonten gekoppelt sind. Somit ist PayPals Ansatz für den E-Commerce-Sektor zunächst besser geeignet.
"As to when it will launch: the eBay and PayPal team are currently building the back end of the system as well as speaking with government and regulatory agencies. Sometime next year, PayPal ID should enter testing."
Die Frage ist, ob PayPal das ambitionierte Ziel, ein ID-Provider für E-Commerce-Kunden webweit zu werden, erreichen kann. Vor allem kommt die Frage auf, ob PayPal nicht, statt das Rad neu zu erfinden, existierende ID-Ansätze wie OpenID einbeziehen sollte. Der Entwickler Jesse Stay schreibt:
"Is it possible for Paypal to go alone in this identity space when they could either be leading or joining existing identity efforts such as OpenID? I may be wrong but I do not recall any mention of the word “open” in his proposal.
And when he mentions things like “they are working with Government” it gets a little scary that a single company may control all this along with government."
Die Bedenken zeigen gleichzeitig, dass jedes Unternehmen, dass sich am ambitionierten Ziel, ein "Consumer Identity Provider" zu werden, mit viel Widerstand rechnen muss.
Welche anderen Unternehmen könnten neben PayPal die Aufgabe überhaupt stemmen?
Nur zwei: Facebook, das größte Social Network der Welt, das mit Facebook Connect seinen Einfluss auf andere Sites bereits massiv ausweitet. Und Google, das mit seinem sich gut entwickelnden Friend Connect etwas ähnliches im Portfolio hat.
Quelle geht in der Otto-Gruppe auf. Der Otto-Konzern hat sich die Rechte an sämtlichen werthaltigen Einheiten gesichert:
"Die Otto Group erwirbt die Rechte an der Marke Quelle
und deren Eigenmarken wie Privileg für Russland, Deutschland und
weitere mittel- und osteuropäische Länder.
Die erworbenen
Kennzeichenrechte umfassen die Nutzung der Marken, Logos und der
meisten Internet-Domains."
Interessant, wie die Pressemeldung von dem eigentlich lukrativeren Geschäft, dass alle Quelle-Umsätze künftig zu Otto laufen, ablenkt.
Auf der Insight E-Commerce Konferenz am Intershop-Stammsitz war die letzten beiden Tage kaum zu überhören, dass gerade Heerscharen von Intershop-Entwicklern bei Otto heftig daran arbeiten, die Systeme aufzurüsten.
"Der Kaufvertrag umfasst nicht die Marken Küchen Quelle und Foto-Quelle. Unberührt ist auch der
Firmenverkauf des Kundendienstes Profectis, der Call Center oder des
Home Shopping Kanals HSE 24.
Für diese Gesellschaften werden die
Gespräche, die in der vergangenen Woche begonnen haben, durch die
Insolvenzverwaltung weiter geführt und sollen so zügig wie möglich
erfolgreich abgeschlossen werden."
Wie Roy Rubin am Dienstag während der Open Source Debatte bei der Insight E-Commerce Konferenz in Jena angekündigt hat, wird Magento 2010 die ersten vertikalen Versionen für einzelne Branchen auf den Markt bringen.
Auch dazu hat er uns schon im Vorfeld auf der Shop.org Konferenz in Las Vegas ein kurzes Statement gegeben:
Es wird spannend sein zu sehen, welche Branchen Magento bedient und wie spezifisch die Branchenlösungen dann sein werden, vor allem aber auch, wie eine entsprechende Diversifizierungsstrategie für Magento aussehen kann.
Dies war das fünfte von sechs Video-Statements zur Zukunft von Magento. Alle anderen sowie die ersten Statements zur Zukunft von Oxid finden sich bei Youtube.
Als Marktbeobachter gehe ich davon aus, dass es spätestens in vier bis fünf Jahren Open Source Varianten von Intershop und Hybris geben wird - oder aber Intershop/Hybris ihre Systeme bis dahin soweit geöffnet/standardisiert haben, dass sie problemlos für Magento konzipierte Module und Erweiterungen einbinden und andocken können. Doch das sind Gedanken, die vielen derzeit noch zu weit gehen.
Die Open Source Debatte, wie sie aktuell geführt wird, blendet größtenteils aus, wie sehr sich die Open Source Szene in den letzten Jahren professionalisiert hat und wie sie Wege und Modelle gefunden hat, die wesentlichen Kritikpunkte (mangelnde Zukunftssicherheit, mangelnder Support etc.) schon alleine dadurch zu entkräften, dass hinter vielen modernen Open Source Lösungen (im Gegensatz zu osCommerce & Co.) mittlerweile professionelle Softwarehäuser stehen, die sich in die Pflicht nehmen lassen. Roland Fesenmayr von Oxid hat dies im Anschluss an die Debatte auf der Insight E-Commerce in Jena formuliert:
Interessanterweise vermarktet sich Magento beispielsweise überhaupt nicht als Open Source Software, sondern - wie Roy Rubin nicht müde wird zu betonen, als "Premium-Software" für professionellste Ansprüche. "Man muss den Leuten Magento nur vorführen", ergänzte Technikleiter Yoav Kuttner gestern nach der Debatte in kleiner Runde. "Und Magento verkauft sich von selbst."
Und genau das übersehen viele immer noch: Der Erfolg von Magento ist nicht der Faktor Open Source, sondern die Anwenderorientierung. Denn Magento hat als eines der ganz wenigen Shopsysteme verstanden, dass die Entscheidung pro oder contra Shopsystem heute nicht mehr bei den Technikern in den IT-Abteilungen, sondern bei den Anwendern in den E-Commerce-Abteilungen fällt.
Und die Anwender ziehen ein cooles, bedienungsfreundliches und flexibel erweiterbares Shopsystem jedem technisch noch so ausgefeilten System vor, das sich userseitig kaum bändigen lässt. Deshalb mag Magento als junges System vielleicht technisch noch nicht perfekt sein, aber wohl doch so gut, dass auch die Techniker in der Regel keine größeren Einwände haben.
Da es müßig ist, die Kombattanten zum Thema Open vs. Closed Source bzw. Intershop vs. Magento zu befragen, habe ich Christian Grötsch von dotsource um eine kurze Einschätzung gebeten. Denn Dotsource hat sich als Agentur sowohl auf Intershop als auch auf Magento spezialisiert:
Es gibt noch einen dritten Punkt, der die Open Source Debatte so absurd macht: das eigenartige Verständnis von Community. Hier wird oft so getan, als handle es sich bei der Community um einen unzuverlässigen Haufen von Freizeitentwicklern, der sich nach Lust und Laune Open Source Projekten widmet.
Aber wer ist denn die Entwicklergemeinschaft im Open Source Bereich? Auf der Meet Magento am Montag konnte man es ganz gut erleben. Letztlich sind es die Entwicklerteams der kleinen und großen Agenturen und Softwarehäuser, die in der Regel mit Magento-Projekten ihr Geld verdienen und so ein extrem hohes Interesse daran haben, dass Magento auch langfristig blüht und gedeiht.
Wenn man den aktuellen Zulauf (andere würden von Hype sprechen) zu Magento & Co betrachtet, kann man wirklich gespannt sein, wie sich die Software-Landschaft im E-Commerce in den kommenden fünf Jahren entwickelt.
Damit soll es unter anderem möglich werden, Bezahlsysteme auf PayPal-Basis direkt in Anwendungen wie etwa Social Networks zu integrieren. Damit müssen Nutzer nicht mehr über PayPal.com gehen, um in Online-Games oder anderen Webapplikationen Güter zu erwerben.
Unter x.com findet man die Entwicklertools, Beispielcode und Dokumentationen zu den verschiedenen PayPal-APIs und weitere Informationen.
Als eine der extremsten Magento-"Anwendungen" präsentierte Techdivision Stadtplan.net, das als Portal komplett auf ein (stark angepasstes) Magento-Framework setzt.
Symmetrics hat ein Entwicklerkit (SDK) für seine "Magento in der Cloud"-Lösung vorgestellt. Das Tookit ermöglicht es künftig auch (Agentur-)Partnern relativ einfach SaaS-Lösungen auf Magento-Basis aufzusetzen und zu verwalten.
Magento selber setzt weiter alles daran, die Anzahl der Shops möglichst rasch auf eine kritische Masse zu erhöhen. Im Vorfeld habe ich Roy Rubin zum deutschen Magento Markt befragt:
Beeindruckend, nach langer Zeit wieder mal eine eingefleischte E-Commerce-Technologiekonferenz zu erleben. Neben vielen Entwicklern und Agenturen waren auch deutsche E-Commerce Urgesteine wie Wilfried Beeck (ePages) und Ludger Vogt Oliver Durand (Intershop) vor Ort, für die vieles zwar eine Art Revival ist, die aber ebenfalls beeindruckt waren von der Aufbruchstimmung.
Ein Thema am Rande war die vor allem für den deutschen Markt nicht unspannende Debatte Magento vs. Oxid: Schafft es Oxid, künftig mehr Aufmerksamkeit für seine Lösungen zu generieren? Schon in den letzten Monaten war zu erkennen, dass die Wahrnehmung hier offenbar wichtiger ist als die Technik.
Im Vorfeld zu Meet Magento #2 hatte ich auf der Shop.org Konferenz die Gelegenheit, Roy Rubin mit Fragen zur Zukunft von Magento zu löchern. Seine spannendsten Statements sind jetzt bei Youtube zu finden.
Während viele Magento immer noch als singuläres Shopsystem betrachten, begreift sich Magento selbst eher als E-Commerce Plattform und als Ökosystem für E-Commerce-Anwendungen:
Hier rekapituliert Roy Rubin nochmals kurz die Open Source Vision von Magento und die bisherigen Entwicklungen:
Wie händlerübergreifende Anwendungen und der Erfahrungsaustausch zwischen Tausenden von Magento-Händlern aussehen könnte, beschreibt Roy Rubin in diesem Statement:
Bei vielen Themen und Aspekten hält sich Roy Rubin noch vergleichsweise bedeckt und möchte nachvollziehbarerweise nicht zu sehr ins Detail gehen. Aber wer die Entwicklungen verfolgt, der ahnt sehr wohl, wohin die Reise geht und was sich hier für spektakulär neue Perspektiven für den E-Commerce auftun.
Weitere Statements zur Zukunft von Magento folgen bzw. sind jetzt schon bei Youtube zu finden
"Liveshopping ist ein Stammkundenkonzept. Die Liveshopping-Solution der dotSource ermöglicht
es Shopbetreibern, verschiedene Liveshopping-Elemente problemlos in ihr Magento Shopsystem
zu integrieren." (s. PDF)
Kürzlich hat Magento außerdem die neue Enterprise-Versionvorgestellt. Dort können Händler u.a. spezifischen Kundengruppen (z.B. Vielbestellern), während sie auf der Seite einkaufen und stöbern, sehr gezielte Angebote unterbreiten:
"The Rich Merchandizing Suite enables highly effective targeting of customers by allowing customer segmentation and targeted marketing and merchandising of products.
Merchants can personalize the customer experience and increase conversions, by providing targeted, rules-driven promotional marketing banners/creatives tailored to each customer segment."
"Hier handelt es sich vereinfacht gesagt um kleine, in sich geschlossene
Erweiterungen des Frontends, mit deren Hilfe sich bestimmte dynamische
Inhalte per Mausklick in beliebigen Seiten integrieren lassen.
Die Einsatzbereiche von Widgets sind vielfältig. So können
Shopbetreiber beispielsweise gewünschte Produktinformationen auf
Landing Pages unterbringen, dynamische Informationen wie die zuletzt
angesehenen Produkte ausgeben lassen und interaktive Elemente wie Chats
und Umfrageformulare sowie Flash-Anwendungen verwenden."
Eine erste Auswahl an Magento-Widgets ist inzwischen verfügbar, so dass man sich ein erstes Bild machen kann. Leider ist der Begriff missverständlich. Das geläufigere Wort ist in diesem Bereich inzwischen wohl Apps.
Am Montag trifft sich die Magento-Szene in der Frankfurter Börse zur Meet-Magento #2 Konferenz. Dort wollen Entwickler und Agenturen weitere Neuigkeiten präsentieren:
Nicht versäumen sollte man beispielsweise die Ankündigungen von Symmetrics, die Magento nochmals komplett neue Perspektiven eröffnen.
Die Agentur Visions, die derzeit an einigen der größten Magento-Projekten arbeitet, wird erstmals ihr Magento-Entwicklerhandbuch vorstellen, das allerdings nicht vor Januar erscheint.
Der Tag endet mit einem Panel zu den Open Source Möglichkeiten des E-Commerce mit Roy Rubin (Varien), Roland Fesenmayr (Oxid eSales), Wilfried Beeck (ePages), Björn
Schotte (Mayflower) und Andreas Lenz (t3n Magazin), an dem ich auch teilnehmen darf.
Im Oktober stand das Fashion Commerce Forum und der Strukturwandel in der Modebranche ganz oben auf der Liste der Topthemen. Unter den Startups sorgten vor allem Guut.de und SpreadBooster für Aufmerksamkeit.
Wir hatten in diesem Monat soviele Exklusiv- und Breaking-News wie nie zuvor, was zu einem enormen Trafficschub in den letzten beiden Wochen geführt hat.
Sehr erfreulich auch, dass schon im ersten Monat zwei der drei Topbeiträge von Marcel Weiss stammen, der künftig nicht nur für netzwertig, sondern auch für Exciting Commerce regelmäßig über Innovationsthemen schreiben wird:
Weitaus weniger spektakulär als berichtet ("500 Mio. Euro Umsatz für 2009") ist die Umsatzentwicklung des Elektronikversenders Redcoon.
Den Geschäftsberichten im Handelsregister zufolge, die nun erstmals aussagekräftige Zahlen für den Zeitraum von 2005 bis 2008 liefern, liegen die (Europa-)Umsätze in etwa auf Cyberport-Niveau, jedoch weit hinter Notebooksbilliger:
Redcoon erzielte im Geschäftsjahr 2007/08 einen Umsatz von 138 Mio. Euro. Der Umsatz für 2008 ist geschätzt. Redcoon spricht von einem Umsatzwachstum von mehr als 30%.
Unabhängig von der reinen Umsatzentwicklung zählt Redcoon allerdings zu den profitabelsten Elektronikversendern hierzulande.
Kommt Otto Amazons Javari zuvor? Wie Eric Hofmann heute auf den Münchner Medientagen bekannt gegeben hat, will auch Otto in Zappos Fußstapfen treten und bereitet in Berlin den Start des Schuhversenders Mirapodo (span. für Nachzügler Tausendfüßler) vor. In der Selbstdarstellung heißt es:
"Wir lieben Schuhe! – Und das aus vollster
Überzeugung. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, wollen wir die
Modebranche revolutionieren und haben daher ein junges Start-up
Unternehmen gegründet, dass Schuhe, Handtaschen und Accessoires über
das Internet vertreibt. Mit dem Aufbau dieses Online-Shops erfolgt der
Startschuss in eine Modezukunft, die neue Maßstäbe setzt.
Wir
sind Unternehmer aus Leidenschaft, darum arbeiten wir am Aufbau dieses
Start-ups mit vollem Engagement. Zugleich zeichnet sich das
Gründer-Team durch höchste Professionalität und einschlägige Expertise
im Bereich Mode / E-Commerce aus. Namhafte Unternehmen wie eBay,
Immobilienscout24, McKinsey, s.Oliver und OTTO zählen dabei zu den
ehemaligen Arbeitgebern unserer Mitarbeiter."
Die Geschäfte führt Stephanie Caspar (vorm. Ebay). In Berlin sitzt auch schon Zalando, das von Samwers Rocket Internet und Holtzbrinck Ventures finanziert wird, die beide kürzlich nochmal nachgelegt haben.
Mehr auf Zack waren beim Thema Schuhe ohnehin die Franzosen: Dort sind Sarenza und Spartoo schon seit 2006 auf Zappos Spuren, das kürzlich in Amazon aufgegangen ist.
Im Otto-Konzern betreibt Baur den I'm walking Schuhversand. Neben Mirapodo, das eher eine Beteiligung zu sein scheint, bereitet Otto außerdem den Start von yourHome und Schlafwelt vor.
Eine Branche im Schock-Zustand?! - Auch wenn das Quelle-Aus durchaus absehbar war, hat doch so gut wie niemand mit einem völligen Kollaps gerechnet. Viel wahrscheinlicher war immer, dass wenigstens die
E-Commerce-Teile verschont bleiben.
Insofern war es spannend zu sehen und zu hören, wie die Branche auf die Quelle-Pleite reagiert. Der Pangora-Kongress bot gestern erstmals Gelegenheit dazu, sich ein umfassendes Stimmungsbild zu verschaffen.
Umsatzseitig wird sich die Quelle-Pleite auf den Online-Handel wohl kaum auswirken. Zu gering waren die echten Quelle Online-Umsätze, zuviel davon war kataloggetrieben. Die Quelle-Pleite ist also für den Versandhandel weitaus umwälzender als für den E-Commerce.
Nichtsdestotrotz ist jedoch zu spüren, wie sehr viele Online-Dienstleister und Agenturen Quelle als Melkkuh vermissen werden. Ausstehende und wegbrechende Umsätze sind ein großes Thema.
Offenbarer denn je werden nun die strukturellen Defizite der deutschen
E-Commerce-Szene. Agenturen und Dienstleister haben sich in ihren
Angeboten und Dienstleistungen zulange zu sehr auf die großen Versender
kapriziert anstatt Lösungen und Strategien für die zukunftsrelevanten
Online-Player sowie für die Amazons und Ebays zu entwickeln.
Der Schock für die Branche ist deshalb sicherlich heilsam, zeigt sich doch nun deutlicher denn je, dass die Dinos nicht nur bedroht sind, sondern tatsächlich auch (aus)sterben können. Entsprechend hoch bleibt die Gefahr für Neckermann und Otto.
Immerhin scheint Quelle.de zu überleben. Der Otto-Konzern hat wohl am Wochenende ein Angebot abgegeben, das u.a. auch die Website umfasst. Aber für Otto geht es dabei natürlich
mehr um die Markenhoheit als um die Fortführung des Geschäfts.
Wenig substanziell waren auf dem Pangora-Kongress leider die "offiziellen" Stimmen auf dem "Quo Vadis" E-Commerce-Panel. Google, das jedes Jahr Millionen mit Quelle verdiente, wollte sich gar nicht
äußern, die anderen wanden sich. Einzig Jürgen Seitz von United Internet wagte sich hervor und
kritisierte die Quelle E-Commerce-Strategie als im Vergleich zu Otto,
Weltbild & Co zu wenig nachhaltig und zu sprunghaft. (Oder
anders formuliert: Die Werbespendings der anderen Händler flossen und fließen immer noch weitaus verlässlicher.)
Spannende E-Commerce-Fusion in den USA: GSI Commerce, ein Full Service Anbieter, der den Online-Handel für große (Mode-)Marken abwickelt, übernimmt Retail Convergence, den Betreiber des Shoppingclubs Ruelala (ca. 100 Mio. Dollar Umsatz) und des Schnäppchenshops Smartbargains (ca. 60 Mio. Dollar Umsatz) für (bis zu) 350 Mio. Dollar.
"Parallel zu Diensten wie
Yoox, DePauli/Herrenausstatter oder Design3000 werden sich vor allem die Logistikdienstleister noch ein größeres Stück vom Modekuchen abschneiden und
zunehmend zur Konkurrenz für den etablierten (Versand-)Handel werden."
GSI Commerce, das auf dem Sprung nach Europa ist, erweitert sein Dienstleistungsspektrum für Markenhersteller und kann für die Marken künftig auch den gezielten Abverkauf regeln.
PS. Natürlich sind wir bei Optaros extrem stolz, dass wir RueLaLa als einen der ersten US-Shoppingclubs für Retail Convergence / SmartBargains entwickeln und mit einer ganzen Reihe von verkaufsfördernden Elementen ausstatten konnten.
Otto will in der kommenden Woche gleich zwei neue Online-Shops an den Start bringen. Neben der schon bekannten yourHome Möbelwelt soll außerdem Ottos Schlafwelt online gehen:
"In Kürze finden Sie unter www.schlafwelt.de alles rund um's
Schlafen. Eine Riesen-Auswahl an Matratzen, BettwäscheLattenroste,
Laken, Decken und Kissen, Bettwaren und vieles mehr. Und damit Sie
sich dort auch traumhaft gut zurechtfinden, bieten wir dazu auch eine
umfassende Beratung und wirklich überzeugenden
Service. Entdecken Sie ab November 2009 Top-
Angebote, günstige Preise, bewährte
Qualität, starke Marken und
Test-Sieger-Matratzen."
Beide Online-Shops sollen auf Ottos neuem iShop-System laufen, das künftig die Basis sämtlicher neuer Otto-Ableger sein soll.
Anstatt sich der aktuellen Samwer E-Commerce Offensive (auf Magento-Basis) anzuschließen, startet Otto offenbar eine Gegenoffensive, um im Online-Handel nicht noch weiter zurückzufallen.
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