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Shoppingsysteme mit Zukunft: Produktwolken am Horizont?

Sind Produktwolken die Zukunft des E-Commerce?

Wenn man, wie wir seit gut einem Jahr, in die Runde fragt, wie denn wohl das Shoppingsystem der Zukunft aussieht, dann erntet man erst einmal verstörte Blicke: "Wie? Shopsystem der Zukunft?" - und dann kommt meist als Antwort: "Ganz klar: Wie heute, nur besser."

Offenbar sind wir so an unsere Systeme gewöhnt, dass sich die wenigsten ernsthaft vorstellen können, dass E-Commerce-Systeme auch komplett anders aussehen können - und wohl auch werden. Schon weil die E-Commerce-Anwendungen weitaus anders aussehen werden als bisher.

Polyvoreset

Produktcollagen bei Polyvore

Sehr spannend aus Exciting Commerce Sicht ist deshalb die Revolution in der Datenhaltung, die sich im Rahmen des Cloud Computing, also beim, vereinfacht gesprochen, verteilten Betrieb von Web-Anwendungen, abspielt. Hier tut sich gerade einiges an neuen Perspektiven auf.

Denn so wie Google für die Verwaltung seiner riesigen Datenbestände längst keine gewöhnlichen (=relationalen) Datenbanken mehr nutzt, baut auch Amazon in der Datenhaltung auf eigene, für das Netz optimierte Datenbankstrukturen. Nur so ist der Zugriff auf das Amazon-Produktuniversum und die Berechnung und Verwaltung der Bewertungsstrukturen und der persönlichen Produktempfehlungen für Millionen von Nutzern einigermaßen zu stemmen.

Suchen in der Großen Liste

In den vergangenen Monaten sind sowohl Amazon (seit Dezember 2007) als auch Google (seit Mai 2008) mit ihren Datenbankstrategien an die Öffentlichkeit gegangen. Und so wird auch zunehmend klarer, wie die beiden in ihren Bereichen jeweils führenden Datenhalter (für Informationen bzw. für Produkte) denken. Immer noch lesenswert ist der GigaOm-Artikel ("Amazon SimpleDB 101 & Why It Matters")

"Tersely put, SimpleDB is hugely disruptive. It will take some time to evolve the new thinking patterns and new design disciplines that this technology forces us to consider."

Die Daten werden nicht mehr im klassischen Sinne katalogisiert, sondern in weitaus einfacheren und leichter handhabbaren Datenstrukturen gehalten.

Etsyconnections
Connections bei Etsy

Google bezeichnet BigTable als "A Distributed Storage System for Structured Data" (s. Wikipedia) - und Amazon beschreibt sein SimpleDB-System wie folgt:

"A traditional, clustered relational database requires a sizable upfront capital outlay, is complex to design, and often requires a DBA to maintain and administer.

Amazon SimpleDB is dramatically simpler, requiring no schema, automatically indexing your data and providing a simple API for storage and access.

This approach eliminates the administrative burden of data modeling, index maintenance, and performance tuning.

Developers gain access to this functionality within Amazon’s proven computing environment, are able to scale instantly, and pay only for what they use."

Faszinierend zu sehen, wie im Datenbankbereich das Tabellenmodell (und die darauf aufsetzenden Verzeichnis- und Katalogstrukturen) an Bedeutung verlieren. Daten werden einfach als mehr oder weniger komplexe Objekte in eine große Liste gepackt - und mit einfachen Operationen ausgewertet und gefiltert.

Das gibt natürlich einigen zu denken, die es gewohnt sind, in relationalen Strukturen zu denken und diese Lösungen als Rückschritt empfinden ("Back to the Future for Data Storage").

Stylightwolke

Produktwolken bei Stylight

Faszinierend sind diese Entwicklungen auf technischer Ebene auch deshalb, weil sie ziemlich gut mit dem korrespondieren, was wir auch auf inhaltlicher Ebene erleben: Strukturen lösen sich auf. Oder wie es David Weinberger in seinem letzten Buch so griffig formuliert hat: "Alles fällt unter Sonstiges" ("Everything is Miscellaneous"), Unordnung als Programm:

"Unser Denken in festen Kategorien führt uns auf Dauer nicht weiter, wir müssen lernen, mit Chaos, Unordnung und Unschärfe umzugehen.

Nur so lässt sich verstehen, warum Projekte wie Wikipedia funktionieren, warum YouTube, Flickr und iTunes so populär und erfolgreich sind."

Für den E-Commerce heißt das, langsam wegzukommen vom Denken in schon hochgradig vorstrukturierten Datenbeständen - und Systemlösungen zu schaffen bzw. vorhandene Lösungen zu nutzen, die höhere Freiheits- und Vernetzungsgrade erlauben.

Vielleicht sollte man also statt von Produktkatalogen besser von Produktuniversen sprechen - oder gar, um im Bild zu bleiben, von Produktwolken. Vielleicht ist aber auch - sicher ganz in Weinbergers Sinne - der Wühltisch das E-Commerce-Modell der Zukunft. Wer weiß, was uns die Zukunft bringt.

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Netzwerte 09: Das persönliche vs. das kommerzielle Web

Handmade 2.0 beschreibt am Beispiel von Etsy und DaWanda sehr schön, was passiert, wenn im Social Web das persönliche und das kommerzielle Web kollidieren ("Etsy pusht Facebooknutzung"):

"Ich meine, dass man Facebook nicht braucht, um erfolgreich im Netz zu verkaufen, zu werben, zu netzwerken - es geht auch sehr gut ohne, und handmade sollte sich auszeichnen durch selbstbestimmtes Marketing."

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Jungstil: Exciting Commerce im Otto Geschäftsbericht

Eines muss man dem Otto-Konzern lassen. Er stellt sich seinen Kritikern. So darf der Management-Experte Reinhard Sprenger im aktuellen Geschäftsbericht (PDF) statt des obligatorischen Vorworts in einen "kritischen Dialog" mit dem Konzernchef treten und dabei auch die grundsätzliche Innovationsfähigkeit des Konzerns in Frage stellen (PDF, S. 13):

"Ich habe gelesen, dass eines Ihrer Leitmotive lautet, in allen Geschäftsfeldern „Best in Class“ zu werden. Ich finde diesen „Klassenvergleich“ fundamental anti-innovativ und würde es viel spannender finden, wenn Sie sich überhaupt nicht mit dem Wettbewerb vergleichen – weil Sie erst dann den Kopf frei haben, wirklich Neues zu entdecken, erst dann in den weiten, blauen Ozean außerhalb der dicht befahrenen Wasserstraßen gelangen."

Exciting Commerce ist diesmal noch ausführlicher vertreten als im Vorjahr. Dokumentiert ist ein Chat mit Markus Fuchshofen (PDF, S. 61), der den E-Commerce bei Bonprix und bei Jungstil leitet, in dem es so verfängliche Fragen zu beantworten galt wie "Wie finden Sie Jungstil, Herr Krisch?"

Jungstilchat

Jungstil ist vor allem deshalb spannend, weil es eines von immer noch ganz wenigen Webonly-Experimenten im Otto-Konzern ist. Neuerdings will Jungstil auch auf dem iPhone punkten

Interessant und ungewöhnlich ist auch, dass Jungstil (bzw. Bonprix) auch sonst eigene Wege geht und ganz intershopfrei auf einem Open Source System läuft. Aber das stellte sich erst nach dem Chat heraus. Und macht wohl Dinge möglich, die sich im Otto-Konzern sonst noch eher schwierig gestalten.

Gestern kam im Rahmen der Nährboden-Debatte die Frage auf, ob Otto Exciting Commerce eigentlich auf dem Radar hat? Auch dazu hat Otto gestern Stellung genommen.

Es wird (in der Konsensrepubik Deutschland) immer vermutet, dass man sich mit kritischen Einwürfen ins eigene Fleisch schneidet. Aber manche Unternehmen sind da kritikfähiger als gemeinhin angenommen, zumal sie ja oft selber wissen, wo es hakt - und daher durchaus offen sind für neue Denkansätze.

Schade nur, dass die Fachmedien dieses Regulativ nicht mehr übernehmen. Wo kommen wir hin, wenn selbst in Geschäftsberichten Dinge kritischer hinterfragt werden als in so manchem Fachdienst?

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Shopbörse: 40 Mio. Dollar für US-Shoppingclub Gilt Groupe

Der einstige Doubleclick-Gründer Kevin Ryan hat für seinen Shoppingclub Gilt Groupe den Rekordwert von 40 Mio. Dollar Wachstumskapital eingesammelt ("Gilt Groupe Raising $40 Million At A Huge Valuation"):

"Gilt Groupe, a New York-based private-sale ecommerce company, has signed a term sheet with General Atlantic and Matrix to raise about $40 million at about a $400 million valuation.

Gilt

Gilt was founded two years ago. It should generate about $150 million of revenue this year and more than $500 million next year. So that explains why brand name VCs like Matrix and GA continue to throw money at the company."

Silicon Alley Insider, das ebenfalls zum Ryan-Imperium gehört, berichtet weiter, dass Hautelook kürzlich 10 Mio. Dollar Kapital bekommen hat. Im Mai erst hatte Billion Dollar Babes eine Kapitalrunde von 13 Mio. Dollar bekanntgegeben.

Es hat lange gedauert, bis die Amerikaner Vente-Privée entdeckt haben. Aber inzwischen befinden sich auch die USA in einem regelrechten Shopping Club Fieber. Weitere Anbieter sind Editor's Closet, Glamlist, Ideeli, Juxzy, Ruelala, The Top Secret u.v.a.m. Im Dezember kamen wir auf 14 US-Clubs, inzwischen dürften es einige mehr sein.

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Die beliebtesten Beiträge im Juni

Der Juni war der bisher trafficstärkste Monat in der Exciting Commerce Geschichte. Ein eindeutiger Spitzenreiter wie im Vormonat konnte sich diesmal nicht herauskristallisieren, dafür ein ungewöhnlich breites Spitzenfeld, das alle wichtigen Themen umfasste - von der Zukunft der Shoppingsysteme über die Folgen der Quelle-Pleite bis hin zum Zukunftsmarkt Türkei.

Hier die beliebtesten Beiträge:

  1. Live Shopping: Auf der Suche nach dem optimalen System
  2. Designfabrik: Otto-Manager bringt MyFab nach Deutschland
  3. Zukunftsmarkt Türkei: Neue Impulse für den E-Commerce
  4. Beginnt jetzt die Zukunft des deutschen Versandhandels?
  5. Ebay 09: Ebay testet Flash Sales für Mode und Accessoires
  6. Zukunftsmarkt Türkei: Die besten Links (für Nicht-Türken)
  7. Java Store: Baut Sun die Shoppingplattform der Zukunft?
  8. Braucht Deutschland eine Internetpartei im Parlament?
  9. Etsy erreicht im Mai Rekordumsätze von 13,3 Mio. Dollar
  10. Top 500: Bergfreunde.de will von 3,6 auf 5 Mio. € wachsen

Die Liste umfasst sowohl direkte Seitenabrufe als auch Feedreader-Abrufe.  Wer hätte gedacht, dass es jemals ein Live Shopping Beitrag an die Spitze der beliebtesten Beiträge schaffen könnte?

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Debatte: Otto als Nährboden für neue Geschäftsmodelle?

Ottos bisheriger Kurs, mit einer Multi-Channel-Strategie im zunehmend onlinegetriebenen Versandgeschäft mithalten zu können, kann - entgegen der viel zitierten Konzern-PR - getrost als gescheitert gelten.

Denn die Zahlen sprechen eine mehr als deutliche Sprache: Nach den bereits bitteren Umsatzeinbrüchen in der ersten Hälfte des Jahrzehnts hat der Otto Versand in den vergangenen fünf Jahren weitere 500 Mio. Euro verloren. Incl. Schwab, Baur, Heine und Bon Prix sind die Versandumsätze des Otto-Konzerns seit 2003 sogar um mehr als 1 Mrd. Euro eingebrochen.

Otto1999-2008

Deshalb müssen sich die Hamburger Katalogversender nun langsam etwas einfallen lassen, um ihr Stammgeschäft zu retten. Baur und Schwab sind bereits grob verarztet und sollen zu Spezialversendern geschrumpft werden, Otto selber experimentiert mit einer Mehrmarkenstrategie, hält aber auch hier seinem katalogbasierten Geschäftsmodell fest die Treue.

Stellt sich zurecht die Frage, welche Alternativen Otto denn hätte? Was kommt nach dem (Online-)Katalog? Auf welche Geschäftsmodelle könnte Otto bauen, um auch in zehn oder zwanzig Jahren noch am Markt bestehen zu können?

In den Kommentaren habe ich bereits versucht, Ottos Dilemma darzustellen, möchte den wichtigsten Aspekt allerdings nochmals herausgreifen, da er nicht nur für Otto gilt, sondern für alle Unternehmen, die aufgrund ihrer Größe und ihrer erfolgreichen Vergangenheit betriebsblind sind für neue Geschäftsmodelle. Hier der Auszug:

"Otto & Co. müssen selber zum Nährboden für neue Geschäftsmodelle werden ... Dafür fehlt aber die Experimentierfreude und vor allem die dafür nötige Innovationskultur.

Um künftige Märkte aktiv mitgestalten zu können, müssten sie sich viel stärker von ihrer Vergangenheit lösen und ein weitaus besseres Gespür für zukünftige Entwicklungen bekommen.

Scarcityabundance

Fatale Fehleinschätzungen (wie im Beitrag beschrieben) kommen vorwiegend deshalb zustande, weil sich Otto & Co. immer noch zu sehr um "ihre Kunden" kümmern statt auf neue Märkte und neue Geschäftsmodelle zu achten, die zwar ggf. einige alte Kunden verschrecken, die aber ein weitaus höheres Wachstumspotenzial bieten."

Es ist nicht so, dass bei Otto überhaupt nicht experimentiert würde, denn schließlich ist die Otto-Group nicht Otto allein - und vielleicht bringt ja die neue Fashionworld die erhoffte Erlösung. Aber was passiert, ist bei weitem zu wenig, um auch künftig noch vorne mitzumischen. Richtig ist, dass Otto nichts für Trendsetter ist, sondern sich vornehmlich an die Trendfollower wendet. Aber auch hierfür braucht es radikal neue Konzepte.

Erstaunlicherweise werden Geschäftsmodelle immer noch so behandelt, als handele es sich dabei um eine extrem seltene Spezies. Doch das war einmal. Online gibt es endlos viele davon, die nur darauf warten, ausprobiert, optimiert und zum Erfolg geführt zu werden.

Es hilft nichts, Geschäftsmodellen nachzutrauern, die im wesentlichen auf (künstlicher) Verknappung der Vertriebswege basierten. Der freie Zugang und die niedrigen Einstiegsschwellen in den Online-Vertrieb verändern alles ("It's Time to Manage for Abundance, Not Scarcity").

Wie im Kommentar geschrieben: "Persönlich rechne ich mit einer wahren Explosion an Geschäftsmodellen im E-Commerce, da die Entwicklungen der vergangenen Jahre allenfalls das Vorspiel für die Umbrüche der nächsten Jahr(zehnt)e waren."

Wie (und wo) sich neue Geschäftsmodelle entwickeln und einigermaßen gezielt herausfiltern lassen, ist sehr schön bei Herrn Beinhocker nachzulesen, der sich ja erfreulicherweise in unserer Bücherliste immer noch sehr weit oben hält.

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Live Shopping: Charles & Marie mit Zahlen für Soupe du Jour

Charles & Marie, produktseitig das derzeit mit Abstand spannendste Live Shopping Angebot, überrascht seit Jahren mit ungewöhnlichen Produktideen und nennt heute erstmals Zahlen für seine Soupe du Jour Tagesaktionen:

Soupedujour
"We don't think that the Chikuno Cube still needs an intro, but if it does, read on, the most important bit of information though is that the next batch of 500 cubes has arrived and we wonder how long that will last.

The last time we had it, it sold out within 16 hours... So for all of those who didn't get a chance to get the most amazing little contraption ever, here's your chance..."

Charles & Marie zeigt seit nun bald vier Jahren, dass Live Shopping weit mehr sein kann als ein billiges Schnäppchen - und ist damit vielen Anbietern weit voraus.

Charles & Marie hat seinen Sitz in Deutschland und den USA und will in Kürze mit einer neuen Version online gehen. Erste Screenshots gibts bereits bei Facebook zu entdecken.

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Shopify wird zur Shopify-Plattform mit App Store und API

So sehen Shoppingsysteme mit Zukunft aus: Shopify, eine E-Commerce-Lösung, die sich vornehmlich an kleinere Händler wendet, ist - nach Ebay ;-) - eines der ersten kommerziellen Shoppingsysteme, das sich als Plattform begreift - und neben einer API (Programmierschnittstelle) nun auch einen App Store für ergänzende Module und Applikationen herausgebracht hat.

Shopify

Heutige Shopsysteme sind funktional meist zu überladen, während allzuoft ausgerechnet die für den Händler ausschlaggebenden Komponenten fehlen. Dies macht die Wahl des Shopsystems gerade für innovationsfreudige Händler oft zur Qual (s. Auf der Suche nach dem optimalen Shoppingsystem)

(Nicht nur Open Source) Shopsysteme müssen sich deshalb künftig fragen: Was ist die unbedingt notwendige Kernfunktionalität? Und was sind (mehr oder weniger nützliche) Zusatzmodule, die dann von der eigenen oder fremden Entwicklungsabteilungen angeboten und bei Bedarf aktiviert werden können?

Oxid hat dies im Rahmen seiner Re-Programmierung getan und besteht seitdem aus einem - im Vergleich zur Vorgängerversion - funktional entschlackten Basissystem - und einer eFire genannten Erweiterungsplattform mit frei zuschaltbaren Services für die Vermarktung, Suche, Bezahlung, etc. (s. Oxid tritt mit Open Source Version gegen Magento an)

Shopify geht - zunmindest konzeptionell - noch einen Schritt weiter und begreift sich komplett als Plattform. Shopify-Chef Tobias Lütke erläutert die Grundidee ("So, about this Shopify Platform"):

"There is this small nucleus of core functionality that all software has to provide (and most do). These are things like inventory management, order processing, payment processing, shipping support and so on.

However after you are done with all those features something funny happens. The next feature everyone wants is different for each store. Some people want live auctions, some people want a wholesale area, some people want community forums, license key generation, digital delivery, integrations with MS Commerce Server, Oracle Inventory, international tax form printers, etc.

None of these features is particularly hard to implement. The problem is that they fail our basic test which we use to determine whether we should implement a feature or not: Implement what most people need most of the time.

Shopfiyappstore

I’m a firm believer that every time you add a feature to you are diminishing all other features. Adding features and especially adding elements to a user interface is not something to take lightly.

So that is the solution. Facebook and Salesforce showed us the way and this is what we are bringing to e-commerce: We are turning Shopify into a development platform and our merchants can supplement the pristine Shopify core with only the additional features they need. E-commerce à la carte."

Ein wirklich zeitgemäßer Ansatz, der das Web als Baukasten sieht und der sich hoffentlich auch bei E-Commerce-Systemen in den kommenden Jahren durchsetzen wird.

Im Open Source Bereich hat sich der Plattformansatz sehr bewährt (s. die Fülle an Firefox-Plugins) und ist auch im E-Commerce Bereich bei Magento (s. Magento Connect) und Oxid (s. Oxid Exchange) auf dem Vormarsch. Schön an Shopify ist aber auch, dass es sich an die von Facebook und vom iPhone bekannte Nomenklatur hält.

Das Shopify-Team kommt aus dem Open Source Umfeld. Insofern ist die Offenheit für externe Anwendungen, Schnittstellen und eine Plattformstrategie nachvollziehbar. Ein gutes interview mit Tobias Lütke hat das Openvista Bootstrap Blog

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Strategiewechsel: Otto soll in viele Einzelmarken zerfallen

Nach dem extremen Schrumpfkurs der vergangenen Jahre möchte Otto das Ruder nun offenbar doch noch einmal herumreissen und nach 10 schwachen Jahren im Versandgeschäft endlich wieder angreifen und auf Wachstum schalten.

Otto1999-2008

Dazu soll das rückläufige Stammgeschäft einerseits wie gehabt mit externen Partnern gestützt werden. Parallel dazu soll der Otto-Versand jedoch in vielen kleinen Einzelmarken aufgehen, die dann, so das Otto-Kalkül, als Beiboote am Markt im Zweifel weitaus bessere Überlebenschancen hätten als Otto selber.

Ein mehr als spektakulärer Kurswechsel und eine Abkehr von der One-Stop-Shopping-Philosophie der vergangenen Jahre. Otto hat den neuen Kurs in der vergangenen Woche bei der Happy Sixty! Präsentation verkündet und der Öffentlichkeit wie folgt verkauft:

"Das Unternehmen ist aktuell dabei, weitere potenzialstarke Angebotskonzepte aus seinem Kerngeschäft weiterzuentwickeln und sie im Rahmen einer Mehrmarken-Strategie um OTTO herum zu positionieren.

Lascana

Nach dem Vorbild der OTTO-Marken Apart und Lascana werden zwei dieser Satelliten noch in diesem Geschäftsjahr gelauncht. Sie sollen sich nach und nach von der Basis OTTO abkoppeln und je nach Marktposition einen eigenen Kundenstamm mit eigenen Kundenbeziehungen pflegen, eine eigene Wachstumsstrategie mit eigenem Marketing entwickeln sowie möglicherweise einen eigenen Online-Auftritt haben.

Dadurch sollen sie sich ihren jeweiligen Marktgegebenheiten entsprechend flexibel entfalten. Die erwarteten Zusatzumsätze hängen u.a. von der Zahl der gestarteten Satelliten und der weiteren Wirtschaftsentwicklung ab; in fünf Jahren ist ein dreistelliger Millionenbetrag realistisch."

Wachstum durch Ausgliederung bzw. - im Extremfall - "Wachstum durch Zellteilung" zählt gerade im Online-Bereich zu den vielversprechendsten Wachstumsstrategien der kommenden Jahre. Die QVC-Schwester Backcountry macht erfolgreich vor, wie es geht.

Voraussetzung für solch eine Strategie ist allerdings, dass man über zukunftsfähige Geschäftsmodelle verfügt, die sich gut und einfach klonen und mit überschaubarem Aufwand weiterentwickeln lassen.

Hier hapert es jedoch im Otto-Versand, der es in den letzten 10 Jahren versäumt hat, mit dem nötigen Einsatz an neuen Geschäftsmodellen zu arbeiten, und stattdessen verzweifelt versucht hat (und es leider immer noch versucht), sein überholtes Katalogmodell ("Otto feiert den gedruckten Internet-Katalog 2009/10") als Multi-Channel-Konzept zu reanimieren.

Insofern kann man gespannt sein, ob die Rechnung für Otto diesmal aufgeht. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass Otto mit seinen Ablegern wiederum nicht auffangen kann, was der Stammmarke in derselben Zeit verloren geht. So wie die Mehrkanalstrategie vornehmlich deshalb gescheitert ist (s. die Marktanteilsverluste im Chart), weil der Online-Katalog nicht auffangen konnte, was der gedruckte Katalog verlor.

Schön zu erkennen sind die enttäuschten Erwartungen, wenn man einmal fünf Jahre zurückblickt. Damals war Otto "Happy 55" ;-) - und wollte den E-Commerce-Anteil von damals 10% binnen fünf Jahren auf 20% verdoppeln. Heute liegt er weit darüber. Und dies ist trotz der halbherzigen Anstrengungen im E-Commerce-Segment auch deshalb so phänomenal gelungen, weil die Katalogumsätze im selben Zeitraum so extrem eingebrochen sind, wie es sich damals im Hause Otto wohl niemand hätte vorstellen können.

Kurzum: Die Zusatzumsätze im dreistelligen Millionenbereich dürften mit dieser Strategie mehr als erreichbar sein. Das Sorgenkind bleibt jedoch Otto selber. Hier dürften die Umsätze binnen fünf Jahren aller Vorausssicht nach um weitere 200 bis 250 Mio. Euro einbrechen.

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Quelle-Chef Konrad Hilbers im ZDF-Morgenmagazin

Hat sich Quelle von Arcandor über den Tisch ziehen lassen? Quelle-Chef Konrad Hilbers hat sich bisher extrem zurückgehalten, setzt sich nun aber doch noch öffentlich für sein Unternehmen ein - heute im ZDF-Morgenmagazin:

Hilbers

Die Entscheidung über das Quelle-Schicksal soll heute Nachmittag fallen ("Quelle-Chef bettelt um Rettung"). Die Sitzung beginnt um 17 Uhr ("Die Zukunft von Quelle entscheidet sich am Abend")

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Exciting Books: 'Free' von Chris Anderson jetzt erhältlich

Free ("The Future of a Radical Price"), der lang erwartete Nachfolger von Long-Tail-Autor Chris Anderson, ist ab sofort erhältlich.

Passend dazu die Exciting Commerce Buchbestseller des abgelaufenen Quartals - mit einem neuen Spitzenreiter und ebenfalls sehr vielen Neuzugängen:

  1. Jeff Jarvis ("Was würde Google tun?"),
    oder: auf englisch ("What Would Google Do?")
  2. Günter Faltin ("Kopf schlägt Kapital")
  3. Eric D. Beinhocker ("Wie Evolution Wirtschaft antreibt"),
    oder: auf englisch ("The Origin of Wealth")
  4. Timothy Ferris ("Die 4-Stunden-Woche")
  5. Mario Fischer ("Website Boosting 2.0")
  6. Alvin Toffler ("Revolutionary Wealth")
  7. Garr Reynolds ("ZEN oder die Kunst der Präsentation")
    oder: auf englisch ("Presentation ZEN")
  8. Dan Ariely ("Predictably Irrational. The Hidden Forces That Shape Our Decisions")
  9. Gerrit Heinemann ("Der neue Online-Handel")
  10. Seth Godin ("Tribes. We Need You To Lead Us")

Unverkennbar geht der Trend weg von Startup-Büchern hin zu Best-Practice-Ratgebern.

PS. Sollte jemand (Buch-)Verlosungen, wie wir sie in dieser ("The Clash of Speeds") und in der vergangenen Woche ("t3n-Magazin") hatten, sponsern wollen, so sind Anfragen gerne willkommen.

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Quelle-Krise: Neckermann protestiert gegen Quelle-Rettung

Die Ereignisse um Quelle spitzen sich zu. Die Süddeutsche Zeitung machte am Samstag schon mal mit einer Art Todesanzeige für Quelle auf ("Quelle ist nicht überlebensfähig"):

Quelleaus

Während Quelle-Chef Konrad Hilbers seinen Katalogkunden gerade noch vollmundig verspricht (PDF): "Heute und in Zukunft: Wir sind für Sie da. Sie können sich auf uns verlassen!", fällt ihm nun auch noch sein einstiger Geschäftsführerkollege Henning Koopmann in den Rücken.

Der neue Chef von Neckermann, das selber ums Überleben kämpft, protestiert gegen eine Quelle Rettung ("Quelle kann weder Strom noch Telefon bezahlen"):

"Ich finde es unfair, wenn Quelle vom Staat unterstützt wird", sagte der Versandhausmanager der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" und forderte, die Regierung solle nicht eingreifen.

"Ein Staatskredit macht momentan vielleicht 8000 Arbeitsplätze bei Quelle sicherer, gleichzeitig macht er aber 72 000 Arbeitsplätze bei den anderen Versendern in Deutschland unsicherer."

Ob der Quelle-Versand noch jemanden findet, der ihm Geld leiht, entscheidet sich am Montag. Die Aussichten dürften schlechter stehen denn je, nachdem nun bekannt ist, was ohnehin zu vermuten war: dass selbst Arcandor Quelle im Zweifel Karstadt geopfert hätte.

Immerhin: Der neue Quelle-Katalog ist inzwischen "vorab exklusiv online" zu besichtigen:

Quellekatalog

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Der europäische Live Shopping Markt im Überblick

iBOOD, der europäische Marktführer im Live Shopping, erfreut sich laut Google Trends inzwischen in Polen schon größerer Beliebtheit als in Deutschland. Das polnische Angebot hat iBOOD zum Jahreswechsel gestartet.

Am Stärksten ist iBOOD nachwievor in den Niederlanden - und hält dort 1dayfly als einzigen ernsthaften Wettbewerber ganz gut in Schach.

In Deutschland liefert sich iBOOD in Sachen Beliebtheit mit Preisbock einen Wettstreit um Platz 3. Die Führungspositionen belegen hierzulande Guut und ZackZack!, der Live Shopping Ableger von Alternate.

Liveshoppingschweiz

Spannend wird es im Schweizer Live Shopping Markt. Dort greift DayDeal, der Live Shopping Ableger von Brack, seit Anfang des Jahres den dortigen Marktführer QoQa an (s. Google Trends).

In Großbritannien liefern sich seit letztem Jahr boffer.co.uk und Grabitnow ein Kopf-an-Kopf-Rennen, reihen sich aber im europäischen Vergleich noch hinter Preisbock und QoQa ein.

Sowohl iBOOD als auch QoQa sind bald vier Jahre am Markt. QoQa erzielt in der Schweiz ähnlich viel Traffic wie Preisbock in Deutschland. Entsprechend spannend wäre es zu sehen, wenn QoQa wie iBOOD auch in Deutschland vertreten wäre.

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Amazon macht mobil: Was hat Amazon mit SnapTell vor?

Nach der Übernahme von Snaptell schießen die Spekulationen ins Kraut, was Amazon wohl im Mobilbereich vorhat. Businessweek schreibt:

"On June 18 it bought SnapTell, a maker of software that allows users of iPhones and other devices to snap pictures of CDs, DVDs, books, and video games on store shelves and then compare their prices with Amazon's. 

Snaptell

SnapTell also has expertise creating software for Google's Android operating system. In late April, Amazon bought Lexcycle, whose software turns the iPhone into an e-book reader.The e-tailer is also hiring.

Amazon lists 17 open mobile-related positions on its Web site, including for software engineers, a senior product manager for mobile payments, and a director of mobile applications."

Für Amazon, das bereits das Kindle als mobiles Endgerät betreibt, ist es ein kleiner Schritt vom Vertrieb digitaler Texte hin zum Vertrieb von (Software-)Applikationen. Wir hatten eine ähnliche Thematik kürzlich beim Java Store

Mehr auch in der Financial Times Deutschland ("Erst knipsen, dann shoppen")

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Happy 60! Otto feiert den gedruckten Internetkatalog 2009/10

Happysixty "Hurra, wir drucken noch!" - Zweimal im Jahr macht sich der Hamburger Otto-Versand zum Gespött der Internetgemeinde.

Denn zweimal im Jahr werden die Otto-Internetseiten in guter alter Tradition komplett ausgedruckt als Katalog an die Kunden versandt.

Diese Woche war es wieder soweit. Der ausgedruckte Internetkatalog steht dieses Mal unter dem Motto Happy Sixty!

Wie lange das noch gut geht, weiß niemand so genau. Denn mit 60 lebt man eben gerne in seiner eigenen Welt und wird seine Schrullen und Marotten auch nicht mehr so leicht wieder los.

Soll man Otto zu dieser Leistung nun also gratulieren oder sich ernsthaft Sorgen machen? Exciting Commerce wünscht in jedem Fall alles Gute! Denn Kataloge braucht man immer und womöglich ist es ja auch Ottos letztes großes Fest.

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Quelle-Krise: Das endgültige Aus droht schon nächste Woche

Bis Montag will die Bundesregierung das Hickhack um Quelle beenden und eine endgültige Entscheidung über den beantragten "Masse"-Kredit treffen.

Allzu viele Chancen geben Regierungsvertreter dem überschuldeten Versender allerdings nicht mehr ("Nicht überlebensfähig"):

"Aus Berliner Regierungskreisen verlautete, das Versandhaus müsse ohne Staatshilfe bereits kommende Woche geschlossen werden."

Sämtliche Vermögenswerte sind bereits an die Banken verpfändet; die laufenden Quelle-Konten soll der Mutterkonzern noch kurz vor der Insolvenz geplündert haben ("Leere Kassen"):

"Einfach abgeräumt: Nur wenige Stunden vor dem Arcandor-Insolvenzantrag wurden sämtliche Quelle-Guthaben an den Mutterkonzern überwiesen."

Die Medienberichte bestätigen im Prinzip den schicksalergeben-lethargischen Eindruck, den Quelle schon in den Wochen vor der Insolvenz abgegeben hat.

Unterdessen wurden am Freitagabend die ersten Quelle-Kataloge verschickt

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Exciting Politics: Auch Oxid-Chef tritt der Piratenpartei bei

Piratenpartei Nach Synaxon-Chef Frank Roebers ("Piratenpartei bekommen prominente Unterstützung") ist heute auch Oxid-Chef Roland Fesenmayr der Piratenpartei beigetreten.

Sonntagmorgen-Gründer Till Achinger bewirbt sich für die Piratenpartei als Stadtrat in Münster.

Seit dieser Woche ist die Piratenpartei, die sich für die Bürgerrechte im Internet einsetzt, mit einem Abgeordneten im deutschen Bundestag vertreten.

Nach anfänglichen Widerständen wird die Partei inzwischen auch im Wahlgetwitter gelistet und möchte dies auch in der Wahlzentrale von StudiVZ erreichen.

Selbst die etablierten Medien haben in dieser Woche wieder erstaunlich sachlich über die Ziele der Partei berichtet, die nach der Verabschiedung des sog. "Zugangserschwernisgesetzes" im Bundestag noch einmal an Zulauf und Aufmerksamkeit gewinnen konnte.

Im Europaparlament hat sich der Schwede Christian Engström als Abgeordneter der Piratenpartei der Grünen Parlamentsfraktion angeschlossen.

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