Next 10 Years: "In was für einer Welt lebt Ihr eigentlich?"
"Next 10 Years in E-Business" - auf dem von SinnerSchrader organisierten Web 2.0 Kongress trafen am letzten Donnerstag in Hamburg mindestens drei Welten aufeinander:
- Einige Teilnehmer hatten sich schon eine grundlegende Meinung von den Möglichkeiten des Web 2.0 gebildet und wollten gerne Eingehenderes erfahren. Der Kongress bot ihnen einige gute Beispiele für zukunftsträchtige Ideen.
- Andere wollten sich erstmal ein Bild davon machen, was es denn nun mit diesem sagenumwobenen Web 2.0 auf sich hat. Diese taten sich sichtbar am Schwersten, da ihre drängendsten Fragen unbeantwortet blieben: Was soll das Ganze eigentlich und was bringt es unterm Strich?
- Und zu guter letzt war da Andreas Weigend, der mit seinen Erfahrungen aus den USA und China sicher am weitesten voraus war, auch wenn er sie als Keynote Speaker nur ansatzweise präsentieren konnte.
Bezeichnend deshalb sein Ausruf gegen Ende der Veranstaltung: "Sagt mal, in was für einer Welt lebt ihr eigentlich?!" Dieser Satz kann auch ganz gut als Leitspruch für die Web 2.0 Diskussion hierzulande dienen, die mit einer erstaunlichen Gelassenheit, um nicht zu sagen: Blauäugigkeit, geführt wird.
Wenn überhaupt, dann ist in der Wirtschaft von einer "neuen Lust am Internet" die Rede. Das unterstreicht leider genau das, was viele derzeit noch im Web 2.0 sehen: eine nette Spielerei am Rande. Von der Dramatik, mit der andernorts auf diese "Rand-Erscheinung" reagiert wird, ist hierzulande keine Spur.
Auch die Brisanz, die dem Thema Web 2.0 - gerade für größere Unternehmen (ab 100 Mitarbeitern) - innewohnt, wird kaum deutlich. Sicherlich war das auch nicht das Thema des Kongresses, auch wenn man sich neben den vielen Perspektiven auch das ein oder andere Schreckensszenario (Gewinner vs. Verlierer) gewünscht hätte, um klarzumachen, dass sich jeder (wirklich jeder!) mit den wirtschaftlichen Möglichkeiten und Gefahren des Web 2.0 auseinandersetzen sollte.
Alles in allem dokumentierte der Kongress den aktuellen Stand der Entwicklung hierzulande. Bei den deutschen Vertretern internationaler Unternehmen gab es die ein oder andere Enttäuschung. Dafür überraschten andere Redner - wie Andreas Weigend oder Malte Blumenthal. Glücklicherweise gab es auch Querschläger wie Johnny Häusler vom Spreeblick.
Die Veranstaltung war in einem tollen Ambiente perfekt organisiert. Gelungen war auch, wie man versuchte, die Offenheit, die Vernetzung und die Interaktivität des Web 2.0 erlebbar zu machen.
Martin Recke sammelt im Fischmarkt fortlaufend Eindrücke vom Kongress. Mehr auch im Next 10 Years Blog.
Weitere Next 10 Years Berichte zu den wichtigsten Zukunftsthemen folgen.









Die "nette Spielerei am Rande", wie Sie schreiben, hilft schlichtweg mehr Umsätze zu generieren. Wenn wir etwas gelernt haben in den vergangenen Monaten, dann, daß ein Corporate Blog zu verkaufen hilft. Meine Geschäftspartnerin Kirstin drückt es noch pragmatischer aus: "Wenn zwei Geschäftsführer täglich zwei bis drei Stunden für das Bloggen aufbringen, dann muss da was rauskommen!" Genau: denn nur aus purer Lust an dieser Art der Kommunikation betreiben wir den Aufwand nicht. Gleichwohl macht es auch jede Menge Spaß.
Wir sind sogar soweit, dass wir ernsthaft überlegen, für unsere Kommunikation, auf Visitenkarten usw. statt der Kelterei-Homepage die des Saftblogs anzugeben. Die ist schlichtweg nach nur mehreren Monaten bekannter. So wirkt Web 2.0 auf Unternehmen, auch wenn diese schon seit 1927 bestehen, wie das im Falle der Kelterei Walther ist.
Kommentiert von: Jörg Holzmüller | 17. Mai 06 at 11:22 Uhr
Das ist letztlich genau der Punkt. Wenn sich Unternehmen wie die Kelterei Walther richtig reinknien und ihre Chancen erkennen und zu nutzen wissen, haben sie durch die Netzwerkeffekte die Möglichkeit, sehr zügig so manch vermeintlich großen zu übertrumpfen. Insofern sollte man das Phänomen nicht unterschätzen.
Bin gespannt, wie sich das Saftblog weiter entwickelt.
Kommentiert von: Exciting Commerce | 17. Mai 06 at 11:56 Uhr