Die Marktplatz-Ambitionen der deutschen Online-Versender
Während Amazon ("Amazon für alles") und Ebay ("Neue Shopping Services") intensiver denn je daran arbeiten, ihre Marktplätze in Richtung universelle Shopping-Plattformen umzubauen, scheint bei den deutschen Online-Versendern gerade das große Marktplatzfieber ausgebrochen:
Ende Juni hatte sich Quelle als letzter der drei großen Versender geöffnet und den Quelle-Market als bisher weitestgehende Lösung gestartet, um Fremdanbietern den Verkauf über den bestehenden Quelle-Shop zu ermöglichen.
Erstaunlicherweise macht Quelle presseseitig kaum Wind für den Marktplatz, promotet ihn aber dafür umso exzessiver im eigenen Universum.
Otto und Neckermann gehen schon seit längerem auf andere Weise in ähnliche Richtung. Sie integrieren die Angebote von Fremdanbietern allerdings lieber nahtlos und für den Kunden kaum ersichtlich in den eigenen Online-Katalog.
Auch bei den Buchversendern geht die Entwicklung eindeutig in Richtung Marktplatz: Nicht nur Buch.de hat gerade eine Marktplatzinitiative angekündigt.
Im Sommer schon hat sich die Weltbildgruppe mit Booklooker verbündet (PDF) und gemeinsame Marktplätze für Bücher.de & Co gestartet.
Schön zu sehen, wie sich einige Online-Shops langsam aus ihrer freiwilligen Isolation lösen und sich zunehmend für andere öffnen. Selbst wenn die ein oder andere eher verquere Lösungen darunter ist, stimmt doch zumindest die (Denk-)Richtung.
Gibt es jenseits dieser fünf Beispiele weitere Initiativen in dieser Richtung bzw. kennt jemand eine ausführliche Besprechung der Quelle Market Lösung?
Frühere Beiträge zum Thema:









Das ganze sieht nett aus. Aber wo genau sind die Shops integriert bzw. welche Shops sind dabei? Es sieht eher aus wie eine neue Quelle Firma (Quelle Online GmbH)! Oder ist die der nach außen auftretende Verkaufsmittler? Aber selbst bei ebay und Amazon weiß man, von wem man kauft.
Finde das als "User" etwas verwirrend... dann könnte Quelle doch auch direkt die Ware verkaufen. Auch ohne das - zugegeben sehr smarte Web 2.0ige - "Quelle Market" Logo :X
Kommentiert von: shoppingzweinull | 15. Oktober 07 at 19:27 Uhr
Quelle Market ist die Einbindung von einem "sourcing-Hub" über mehreren Distributoren, wie ingram, Techdata, etc.
Das "hub" ist eigentlich das Unternehmen www.productandconcept.com . Mit diesem Konzept werden also de facto rund 20 Distris direkt an Quelle angeschlossen.
Warum dann Quelle nicht als eigenes Unternehmen auftritt ist spekulativ. Wesentliche Unterschiede sind jedenfalls deutlich reduzierte Kundenrechte (14Tage Rückgabe statt 28Tage zus. Versandkosten und angeblich entsprechende Regelungen für Rücksendungen - besonders Kosten für Wiederaufbereitung von z.B. Laptops etc.)
Unabhängig davon halte ich den Long-Tail-Wahn der 3 großen Versender (Otto rund 5; Quelle 4; Neckermann 15 Partner ) für die kurzsichtigste strategische Entscheidung in der deutschen Handelsgeschichte - gerade die Marke Qeulle hat eine gewisse Kraft und wird hier bis an die Schmerzgrenze gedehnt.
Die Shops werden den Long-Tail Konzepten in keinster Weise gerecht (schon mal durch 400 Laptops auf Quelle geqüält und eine Kaufentscheidung treffen wollen??).
Die präsentierten Marken gehen zunehmend in der Masse unter - und mal so nebenbei 2,5Mio. Medienprodukte auf Otto zu integrieren ...dafür reicht auch das neue Webdesign nicht aus
Kommentiert von: Malbec | 15. Oktober 07 at 20:52 Uhr
kleiner Nachtrag: das Quelle nicht direkt auftritt könnte auch mit prozess- und schnittstellenbedingten unzulänglichkeiten zu tun haben...die Systeme sind ja alle etwas in die Jahre gekommen :-)
Letzenendes sollte man auf das hier im Blog präsentierte Arcandor-Strategie-Chart verweisen, in dem steht, dass man die 3rd party Angebote auf 50%+ im Umsatz ausbauen will. Wenn wir uns daran erinnern wie der BVH mit den Zahlen in Sachen "originärer" und "print, also Katalog-induzierter" Nachfrage schlingert, bedeutet das in Zukunft werden wir 70-80% der Angebote bei großen Versendern via 3rd Party kaufen können.
Wenn Quelle nur noch für 30% seines Sortiments wirkliche Verantwortung trägt, dann ist das das Eingeständnis der Unfähigkeit in der Erfüllung der Handelsfunktion...und bei den anderen beiden wirds nicht anders kommen.
Bereits jetzt hat Otto rund 170.000 Artikel selbst gg. 2,7 Mio fremd auf der Plattform (ok...mit libri). Quelle 7600 via Quelle-Market und nochmal rund 5000 über andere Partner (Mexx, etc.). Bei neckermann ist es schwer zu schätzen, aber man könnte von einem Verhältnis von 3:1 ausgehen...immerhin sind da angeblich schon 15-20 Partner unterwegs, die man nicht sieht (ausser fahrrad.de, Yves Rocher und eyecatcher).
Die Frage bleibt, wo ist der Unterschied wenn 2009 jeder alles hat ? Und wie unterschieden die 3 Großen sich auch hinsichtlich der Markenführung (wenn das mal bei einer Handelsmarke ausreicht) wenn sie nur noch 20% Ihres angebotenen Sortiments selbst steuern ?
Kommentiert von: Malbec | 15. Oktober 07 at 21:04 Uhr
was sollen wir denn mit ein paar weiteren marktplätzen. die paar großen reichen doch aus
Kommentiert von: paul | 16. Oktober 07 at 08:36 Uhr
Hier geht es meiner Meinung nach um viel mehr: Das Überleben der Universalversender!
Das Internet ist ganz klar die Zukunft dieser Spezies. Und hier scheint die simple Formel "Integrate or be integrated" vorzuherrschen. Will heißen: Wenn man als Versender selbst keine kritische Sortimentsbreite und -tiefe erreichen kann, wird man den Kampf um die Reichweite, also die Aufmerksamkeit des Kunden, langfristig verlieren. Natürlich kann Traffic hinzugekauft werden, aber mit stetig steigenden Cost-per-Order, weil dann zwar Visits kommen aber das Angebot nicht dazu passt.
Wenn man noch dazu ein antiquiertes Geschäftsmodell und die entsprechende Kostenstruktur besitzt, läuft man schlichtweg Gefahr, von den Traffic-Lieferanten wie Preissuchmaschinen, Portalen, Produktvergleichen und allen anderen "Meta-Websites" zum Commodity-Lieferanten degradiert zu werden. Und diesen Wettkampf mit hoher Preistransparenz können die Großen auf keinen Fall gewinnen.
Sie haben also gar keine andere Wahl, als ihre eigenen Webshops zu öffnen und selbst den „Meta-Ansatz“ zu fahren!
Oder eben einen kleinen Taschenspieler-Trick zu lancieren. Anstatt nun einen etablierten Spezialisten für Unterhaltungselektronik auf den Marktplatz zu nehmen, will Primondo wohl die Marge selber einstecken. Die „Erfindung“ von „Quelle Market“ als Verkäufer auf dem eigenen Marktplatz ist ein toller Kunstgriff, um den antiquierten Kostenumlagen für Katalog, Sammelbesteller, Retouren etc. ein Schnippchen zu schlagen!
Ob das allerdings die derzeit etwas verwirrten Kunden genau so sehen, wage ich zu bezweifeln...
Kommentiert von: tom | 16. Oktober 07 at 12:51 Uhr
Universalversender können im Internet nur durch ein ganz neues Kundenverständnis überleben.
Das Sortiment macht den Unterschied nicht - die Marken sind annähernd kaputtgeritten, oder austauschbar, die "Eigenmarken"-Strategie, die theoretisch noch das wirkliche Asset wäre, außer bei Otto und der weissen ware von Quelle in der Sackgasse.
Und was machen die Großen? Neue Konzepte unter dem Motto "Kunde erfolgreich über den Tisch gezogen" jetzt auch im Internet umsetzen...man kennt sich ja aus in diesen Sachen.
Aus meiner Sicht ganz klar:
"stimmt doch zumindest die (Denk-)Richtung." Definitiv nein...im Gegenteil.
"ein toller Kunstgriff" aktionistisch getriebene Überlebensangst...sich gegenseitig vertsärkend durch die gleichzeitige strategische Unfähigkeit aller 3 Universalversender
Kommentiert von: Malbec | 16. Oktober 07 at 13:18 Uhr