Finden Bertelsmann und RTL nun ueber die Medien doch noch einen Kaeufer fuer ihren duempelnden Shoppingsender RTL Shop? Oder bahnt sich hier ein zweites Neckermann an? Und muss Bertelsmann am Ende sogar noch Geld zuschiessen, um RTL Shop loszuwerden?
Denn jeder potenzielle Kaeufer duerfte sich ernsthaft fragen: Wievel ist das stark mit dem RTL-Programm verzahnte RTL Shop ohne RTL ueberhaupt noch Wert?
RTL Shop macht einen Jahresumsatz von etwa 90 Mio. Euro, also im Schnitt 250.000 Euro pro Tag. Zwischen 50.000 und 100.000 Euro, also bis zu einem Drittel des Umsatzes, duerfte auf die Programmstunden (taeglich nach 7 Uhr) beim Muttersender RTL entfallen.
Ueber seinen eigenen, nur von wenigen zu empfangenden Sender erzielt RTL Shop schon heute weit weniger Umsatz pro Stunde als die etablierten Shoppingsender (QVC, HSE24) sowie der erst Ende 2004 gestartete Auktionskanal 1-2-3.tv.
Insofern duerfte fraglich sein, ob sich unter diesen Umstaenden ein Kaeufer findet, der bereit ist, fuer RTL Shop den kolportierten zweistelligen Millionenbetrag zu zahlen. Ohnehin ist die Inszenierung des Verkaufs ueber die Medien stets ein erster Indikator dafuer, dass der Verkauf nicht so laeuft wie gewuenscht.
Um den geforderten Preis zu rechtfertigen, muesste Bertelsmann den Neueigentuemern einen mehrjaehrigen Zugriff auf die RTL-Fenster zusichern, was als eher unwahrscheinlich gelten kann. Viel eher wohl duerfte RTL Shop, wie zuletzt schon andere RTL Spartenkanaele, nach den Ankuendigungen dieser Woche vor dem endgueltigen Aus stehen.
Fuer Bertelsmann raecht sich einmal mehr die gerne praktizierte Nachzueglerstrategie (gerade wieder im Bereich der Social Networks zu bewundern).
RTL Shop hat sich jahrelang zu sehr auf die RTL-Reichweite verlassen. Dem 2001 gestarteten Sender ist es in 7 Jahren nicht gelungen, in genuegend Kabelnetze zu kommen, um profitables Teleshopping zu betreiben. Und auch der reichweitenbedingte Umzug von Koeln nach Hannover wirkt sich nicht von heute auf morgen aus.
Insofern darf man gespannt sein, wo RTL Shop kuenftig landet. Bei aehnlichen Konditionen wie bei Neckermann duerfte sich sicherlich der ein oder andere Interessent finden - allen voran Premiere (1-2-3.tv) und Arcandor (HSE24), denen eine aktive Marktbereinigung nur zupass kommen duerfte. Ob Bertelsmann allerdings bereit waere, entsprechend Geld zuzuschiessen, ist mehr als fraglich.
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