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Netzwerte 09: Social Shopping Strategien für Musikkünstler

Ich bereite gerade zwei Gastvorlesungen für die Popakademie Baden-Württemberg zu den Themen "Social Shopping" und "Web Syndication" vor. Ein Thema, das in der Musikbranche eine besondere Rolle spielt, ist die Frage: Was sind eigentlich die umsatzrelevanten Produkte?

Die Musikindustrie muss lernen zu unterscheiden zwischen Musik und Musikprodukten. Während die Musik frei zugänglich sein muss, müssen die Produkte das Geld einspielen. Das hat sich durch das Internet nicht wesentlich geändert. Nur hat die Musikindustrie bisher keine zeitgemäßen Nachfolger für die Schallplatte und die CD gefunden. Ob es Downloads und Klingeltöne auf Dauer richten werden, scheint fraglich.

Wie die Musikbranche bzw. die Musikkünstler in digitalen Zeiten denken und handeln müssten, beschreibt Mike Masnick in seiner immer wieder lesenswerten "Grand Unified Theory On The Economics Of Free":

"So, the simple bulletpoint version:

  1. Redefine the market based on the benefits
  2. Break the benefits down into scarce and infinite components.
  3. Set the infinite components free, syndicate them, make them easy to get -- all to increase the value of the scarce components
  4. Charge for the scarce components that are tied to infinite components
You can apply this to almost any market (though, in some it's more complex than others). Since this post is already way too long, we'll just take an easy example of the recording industry:
  1. Redefine the market: The benefit is musical enjoyment
  2. Break the benefits down (not a complete list...): Infinite components: the music itself. Scarce components: access to the musicians, concert tickets, merchandise, creation of new songs, CDs, private concerts, backstage passes, time, anyone's attention, etc. etc. etc.
  3. Set the infinite components free: Put them on websites, file sharing networks, BitTorrent, social network sites wherever you can, while promoting the free songs and getting more publicity for the band itself -- all of which increases the value for the final step
  4. Charge for the scarce components: Concert tickets are more valuable. Access to the band is more valuable. Getting the band to write a special song (sponsorship?) is more valuable. Merchandise is more valuable."

Glücklicherweise gibt es inzwischen neben den alten Hasen durchaus auch junge Künstler, die die Zeichen der Zeit erkennen und auf dem richtigen Weg sind.

Frühere Beiträge zum Thema:

InVideo-Shopping: Cavi.tv will den Modemarkt erobern

Eines der ambitioniertesten Startups aus dem Video Shopping Bereich kommt aus Hamburg. Mit dem Videodienst Cavi.tv will der einstige MySelect-Gründer und Tchibo-Manager Michael Breyer dem InVideo-Shopping zum Durchbruch verhelfen und damit dem Mode- und Musikmarkt neue Impulse verleihen.

Während viele unter Video Shopping noch in erster Linie (Produkt-)Clips im eigenen Shop verstehen, verfolgt Cavi einen dezentralen Verkaufsansatz - und bringt den Shop in den Clip:

"Die neue CAVI-Technologie erlaubt es erstmalig den gesamten Online-Kaufprozess direkt an die Stelle des aktiven Erlebens zu bringen und läutet eine neue Ära ein – E-Commerce 2.0.

Die Technologie ist in der Lage klassische Online-Shops in Online-Videos zu integrieren. Der Konsument schaut sich z.B. das neueste Video seiner Lieblingsband an und kann zu sämtlichen Produkten, mittels unserer Technologie Produktinformationen abfragen und dieses direkt kaufen.

Das Attraktive daran ist, dass er die Plattform dafür nicht verlassen muss. Der gesamte Kaufprozess wird mittels eines Pop-up-Fensters direkt im Video durchlaufen.

Diese innovative Technologie, entwickelt von Dominik Reisig und Michael Boesken, und meine Logistik- und Handelserfahrung machen diese Geschäftsidee schließlich marktfähig."

Eine erste Anwendungsmöglichkeit ist auf MyVideo zu sehen: Nutzer können im Musik-Clip Fanartikel bestellen. Künftig soll auch ein Ticketverkauf möglich sein.

Neben dem Hightech-Gründerfonds wird Cavi.tv u.a. von BuyVIP-Gründer Gerald Heydenreich unterstützt. Als Fullservice-Anbieter will Cavi.tv neben dem Video Shopping Service auch das Fullfilment übernehmen.

Förderland hatte kürzlich ein gemeinsames Interview mit Cavi-Gründer Dominik Reisig und Gerald Heydenreich:

"Wir versuchen, zum einen über Netzwerke Zugang zum Beispiel zu Vorständen in großen Medienkonzernen zu ermöglichen, die sonst schwer zugänglich sind.

Gleichzeitig versuchen wir mit dem nötigen Abstand immer wieder kritisch zu hinterfragen, ob der eingeschlagene Weg, der richtige ist."

Auch wenn MySelect inzwischen Geschichte ist und Cavi.tv nicht das einzige Projekt seiner Art ist, stimmt uns für Cavi.tv optimistisch, dass sich hier die Video-Ambitionen mit langjähriger Kompetenz im Aktionshandel paaren. Diese Kombination hat man eher selten.

Glückwunsch an Dominik Reisig! Als er Anfang 2008 erstmals von seinen Plänen erzählt hat, klang das Ganze noch ziemlich überambitioniert. In dieser Konstellation scheint das Team allerdings auf einem guten Weg.

Mehr zu den Entwicklungen bei Cavi, Shangby, Shopflick, Tailgate, Talk Market und den zahlreichen anderen Videodiensten auch bei den Video Shopping Days

Frühere Beiträge zum Thema:

Ein Beitrag von Stephan Randler, mit Ergänzungen von Jochen Krisch

Produktblogs: Eee PC News mausert sich zu NetbookNews

(Gut geführte) Weblogs sind perfekte Traffictreiber. Neben MyDealz zählt sicherlich Eee PC News zu den Aufsteigern des vergangenen Jahres.

Betreiber Sascha Pallenberg baut die Eee PC News jetzt zu den NetbookNews aus und schreibt über die Neuausrichtung:

"Waehrend sich die Mainstream Magazine natuerlich immer staerker den Netbooks annehmen, hiess es fuer mich persoenlich eine Entscheidung zu treffen und einen Gang hoeher zu schalten, um auch in Zukunft unabhaengige mobile computing News aus den Wohnzimmern der Hersteller zu servieren und nicht als weiterer Content-Verwurster die Google Suchergebnisse zu bevoelkern."

Mit dieser Einstellung ist er vielen Medienhäusern weit voraus, die auch online immer noch gerne PR- und Agentur-Meldungen für die Masse (re-)produzieren lassen und sich dann wundern, warum sie von den ernsthaft Interessierten links liegen gelassen werden.

In den Kommentaren hier im Blog beschreibt er außerdem sein Blogverständnis und den mehr als schmalen Grat, auf dem auch und gerade Produktblogger wandern:

"Eine hart erarbeitete Reputation kann durch die falsche Produktempfehlung erheblich leiden, da mag die Provision auch noch so gut sein."

Wir wünschen uns für 2009 mehr Produktblogs dieser Art. Die Live Shopping Szene ist durch MyDealz & Co. erst so richtig in Schwung gekommen. Und auch vielen Nischen- und Spezialthemen täten (noch mehr) Produktblogs sehr gut. Siehe beispielsweise die Erfahrungen in der Weinbranche

Frühere Beiträge zum Thema:

pick!t today: GartenVideo.com

Markus Kobelt mausert sich in der Schweiz zum Jörg Kachelmann des Gartenbaus. Vor Weihnachten hat er wieder einen Schwung neuer Videos eingestellt:

Gelungen ist hier auch der andersartige Zugang zum Produktsortiment.

Bei Lubera gibt es außerdem regelmäßige Bilderwettbewerbe und sehr viele andere Webmaßnahmen, mit denen kleine Versender bei ihren Kunden punkten können.

Frühere Beiträge zum Thema:

pick!t today: The BUGvonHippel

Wo wir gerade von der Steigerung des Netzwertes sprechen. Die Bugblogger haben zum Start des BUGvonHippel ein sehenswertes Video-Interview mit Namensgeber Eric von Hippel, einem der Väter der Open Innovation:

pick!t today: The rise of "retail blogs"

Chris Anderson weist in seinem Long Tail Blog auf eine neue Generation von Händlerblogs hin, die das Blog zunehmend in den Mittelpunkt stellen:

"Some of the smaller companies that I follow are redesigning their websites to put their blog front and center. Not a link to the blog at the bottom of the page, but a front page that is almost all blog, with the products relegated to a sidebar. For lack of a better term, I call them "retail blogs"."

Das Prinzip hat sich ja bei professionellen (Vor-)Bloggern wie Sascha Pallenberg von EEE PC News, Fabian Spielberger von MyDealz, Kai Müller von Stylespion und Stephanie Dann vom Gärtnerblog als durchaus absatzfördernd bewährt.

Ganz frisch im übrigen bloggt das Hess Natur Team, nach langer Zeit wieder einmal ein Händlerblog aus dem Hause Primondo, nachdem Blog/Community-Vorreiter Happy-Size irgendwann Neckermann zugeschlagen und verkauft wurde.

Frühere Beiträge zum Thema:

Top 500 Shops: Trade-a-Game und der Markt für Trade-Ins

Seiten wie Trade-a-Game oder Momox ("1.350.684 angekaufte Artikel seit Mai 2006") liegen offenbar im Trend. Hitwise hatten gerade eine entspechende Analyse dazu in ihrem Blog.

Die Spielebranche lebt von in Zahlung gegebenen Spielen. So verkündet der Spielehändler Gamestop gerade:

"We will give out approximately $800 million in credits this year – trade-in credits that will go toward the purchase of new video games."

Im Gadget-Bereich deutet sich bei iPods/iPhones Ähnliches an. AuctionBytes berichtet über NextWorth:

Nextworth

"NextWorth Reaches $1 Million in Gadget Trade-ins."

Auch Trade-a-Game profitiert von der Entwicklung und will deshalb zügig in neue Kategorien expandieren (vorab, via Mail):

"Die Umsätze im Monat November beliefen sich auf rund 430.000 Euro“, berichtet Tim Fronzek, Leiter Finance & Controlling der trade-a-game GmbH.

Seit Beginn der Investition der beiden Verlagshäuser DuMont und Madsack im Mai dieses Jahres ist der Umsatz der trade-a-game GmbH jeden Monat um durchschnittlich 20 Prozent gestiegen.

Der monatliche Umsatz im November 07 betrug rund 62.000 Euro, was im Vergleich zum diesjährigen Monat November eine Steigerung von 593 Prozent bedeutet."

Beim Jahresumsatz schafft es Trade-a-Game 2008 unter die Top 250 der umsatzstärksten Online-Händler.

Beim letzten Exciting Commerce Roundtable in Düsseldorf waren Trade-a-Game durch ihre Investoren vertreten, beim Berliner Roundtable im Frühjahr waren sie allerdings direkt dabei ("E-Commerce Ideen für 2008").

Frühere Beiträge zum Thema:

CaptchaAd: Das Video-Highlight aus dem Nachbarblog

Eine der spannendsten Videoanwendungen und zugleich einer der populärsten Twive-Beiträge der letzten Zeit ist CaptchaAd, das zeigt, wie sich Produktvideos auch als Spamschutz einsetzen lassen:

081114_captcha02

Wir freuen uns, dass das Team von CaptchaAd auch beim kommenden Roundtable dabei sein wird.

Frühere Beiträge zum Thema:

Wein animiert: Aromicon lässt die Trauben tanzen

Die von uns mit Spannung erwartete Weinseite von Aromicon ist in die öffentliche Betaphase gegangen - und lässt ab sofort die Aromen tanzen.

Verkneifen wir uns eine Anmerkung zum Design der Website und freuen uns, dass sich die Visualisierungselemente von Beginn an mitnehmen lassen (wenn auch momentan noch ohne Backlink ;-):

Die im Vergleich zu früheren Versionen nun interaktiv justierbare Weinvisualisierungskomponente ist das Herzstück von Aromicon. Dort können momentan Winzer und Weinhändler - und später hoffentlich auch die Nutzer ihr persönliches Geschmacksempfinden zum Ausdruck bringen.

Der Konfigurator ist durch die optische Unterstützung auch für weniger online-affine Anwender vergleichsweise einfach und intuitiv zu bedienen. Weinanbietern, die noch nicht online vertreten sind, empfiehlt Aromicon als Shopsystem die spezialisierte Weinlösung von MyWareHouse.

Ihr Geld möchten die Visualisierungsspezialisten von Aromicon mit Affiliate-Provisionen verdienen.

Frühere Beiträge zum Thema:

Ubiquity: Mozilla Labs erforscht neue Mashup-Methoden

Mozilla Labs ist auf der Suche nach neuen Wegen, wie sich die inzwischen reichlich verfügbaren Web-Bausteine auf schnelle und einfache Weise miteinander kombinieren lassen, und hat dazu vor sechs Wochen Ubiquity gestartet

Dieser Screencast erlaubt einen spektakulär neuen Blick auf das modulare Web:


Ubiquity for Firefox from Aza Raskin on Vimeo

Markus Spath schrieb dazu in Netzwertig:

"Mozilla verwandelt den Browser in eine Art OS im Web."

In der kommenden Woche macht das Team Station in Berlin

Frühere Beiträge zum Thema: